04.11. — 12.12.2021,
Fürstenplatz 1, 08289 Schneeberg im Erzgebirge
Eröffnung 4.11.2021, 18 Uhr

Europäisches Handwerk und Design zu Gast im Erzgebirge im Vorfeld zur Europäischen
Kulturhauptstadt Chemnitz + Region 2025.

Die Wanderausstellung MADE IN: Crafts — Design Narratives [Handwerk – Design Erzählungen] ist
das Ergebnis einer zweijährigen Forschungs- und Vernetzungsarbeit von sechs Kultur- und
Kreativorganisationen aus Österreich, Slowenien, Serbien und Kroatien. Sie stellt rund 40
Handwerksbetriebe aus diesen Ländern mit ihren Produkten und Kreativschaffende aus ganz Europa
mit neuen Konzepten für das Handwerk vor. Das Kunstgewerbemuseum der Staatlichen
Kunstsammlungen Dresden zusammen mit der Angewandten Kunst Schneeberg, Fakultät der
Westsächsischen Hochschule Zwickau und die Stadt Schneeberg sind Gastgeber im Rahmen des
PURPLE PATH, einer Initiative der Europäischen Kulturhauptstadt Chemnitz + Region 2025.

MADE IN ist eine Plattform für Forschung, Design und kulturelles Erbe, die neue Möglichkeiten der
Zusammenarbeit und des Wissensaustauschs zwischen Handwerksbetrieben und Kreativschaffenden
fördert. Kofinanziert durch das Programm Creative Europe der Europäischen Union konnten
Handwerker*innen, Designer*innen und Theoretiker*innen wichtige Fragen zu Handwerkstradition
und Produktion in der heutigen Gesellschaft erörtern und in konkreten Kooperationen umsetzen:
Kann Design lokale Handwerksproduktion stimulieren und Gemeinschaften stärken? Wie können
Design und neue Technologien unsere Beziehung zur Erhaltung von Handwerk verändern? Was
können Designer*innen über Praxiswissen und der nachhaltigen Beziehung zu Objekten von
Handwerker*innen lernen? Wie kann die Erforschung regionaler Materialien zur Diskussion über
gesellschaftlich, ökologische und politische Bedingungen beitragen? Mit diesen und anderen
Forschungsfragen wurde ein moderierter Kreativprozess gestartet, dessen Ergebnisse nach den
Stationen in den Ursprungsländern nun erstmals in Deutschland gezeigt werden. Schneeberg im
Erzgebirge mit seiner langen Tradition im Handwerk und Bergbau ist ein idealer Ort diesen Diskurs
aufzuzeigen und fortzusetzen.

Der Titel MADE IN verweist auch auf die heutige industrielle Produktion im Fernen Osten, die
anonym und zum Teil ganz ohne Menschen abläuft. Er erinnert an die zweifelhafte Rolle von Design
als Dienstleister im aktuellen marktorientierten Paradigma des neoliberalen Kapitalismus und
verweist auf Handwerk und Herstellung, die erst mit dem Aufkommen der Industrialisierung getrennt
wurden. Heute im Angesicht einer erneuten technologischen Revolution, jedoch auch mit
Ressourcenknappheit konfrontiert, verspüren wir den Drang mehr über die Herkunft unserer
Warenwelt zu wissen: Wo wird etwas produziert? Wer stellt es her? Woraus wird es gemacht? Im
Handwerk liegt die Beantwortung dieser Fragen sprichwörtlich auf der Hand. Ein zunehmend
kritischeres Konsumverhalten und Bewusstsein für Nachhaltigkeit in der Gesellschaft stärkt daher die
Aufmerksamkeit für das Handwerk und die lokale Produktion – daher ein wichtiges Forschungsfeld
im Kreativbereich. Ausgangspunkt ist ein Archiv und eine Materialsammlung, dass die Arbeit von rund 40 Handwerksbetrieben aus unterschiedlichen Regionen in Form von Objekten, Fotodokumentationen
und Geschichten vorstellt und portraitiert. Die Auswahl der Exponate basierte auf verschiedenen
Kriterien wie dem eingeschriebenen Handwerkswissen, dem Grad der Gefährdung eines Handwerks
oder dem repräsentativen Charakter einer Arbeit für die Kultur und Ressourcen einer Region.
Darunter findet sich exemplarisch eine handwerkliche Bandbreite von der Schreinerin, Ofensetzer
und Keramikerin über Hut- und Uhrmacher, Buchbinderinnen, Formenstecher, Schneiderinnen und
Korbflechter bis hin zu einem Holzschuhproduzenten und Sennereibetrieb. Als Forschungsfeld
dienten dabei sowohl landesweite und regionale Kontexte (in Österreich und Slowenien) wie auch
kleinere Gebiete wie Stadtviertel (in Serbien und Kroatien). Das „Handwerksarchiv“ ist der Nukleus in
der Ausstellung um den herum die neu entstandenen Projekte gezeigt werden.

In acht konkreten Fallbeispielen haben sich Projektgruppen aus Kreativen und Handwerker*innen mit
spezifischen Themen und Problemen der jeweiligen regionalen Produktion auseinandersetzte. Die
„Narratives“, die daraus entstandenen Geschichten und Erzählstränge, wurden in den letzten beiden
Jahren in Workshops und in Arbeitsaufenthalten in den Werkstätten erarbeitet. In unterschiedlichen
Formaten und Medien vorgestellt, bilden sie die Highlights der Ausstellung. So präsentiert sich unter
dem Titel „Mobile Gastfreundschaft“ eine Zusammenarbeit von Bregenzerwälder
Handwerksbetrieben aus Österreich unter der Regie des polnischen Designduos chmara.rosinke (Ania
Rosinke, Maciej Chmara). Ein mobiles Küchenstudio mit Holzofen und Sitzgelegenheit in verblüffend
archaischer wie moderner Formensprache, gefertigt in traditionellen Handwerkstechniken. Mit
„Ratio“ wird eine Materialstudie in Form von Gebrauchsobjekten vom österreichischen Designstudio
mischer’traxler (Katharina Mischer, Thomas Traxler) in Zusammenarbeit mit dem slovenischen
Steinmetz Beno Ogrin gezeigt. Sie veranschaulicht den Gehalt von Metallen und Minerialien in
Gesteinskörpern und verweist auf einen schonenden Umgang mit Ressourcen. Mit der Weitergabe
von handwerklichem Wissen beschäftigt sich die Arbeit „A Combmaker’s Tale“ [Die Erzählung eines
Kammmachers] des niederländischen Studio Unfold (Claire Warnier, Dries Verbruggen) und
Alexandre Humbert in Zusammenarbeit mit dem 82-jährigen Handwerker Antun Penezić aus
Kroatien. Sie erzählt die Geschichte eines Roboter-Lehrlings in seiner Werkstatt, geht existentiellen
Fragen nach und in wie weit künstliche Intelligenz die nächste Generation im Handwerk sein kann,
falls keine Nachfolge gefunden wird. In ähnlicher Form verfolgen alle acht Projekte einen innovativen
Blick auf das Handwerk und eröffnen Möglichkeiten für Kreativschaffende sich mit lokalen
Ressourcen und Herstellungstechniken zu befassen.

Thomas A. Geisler, Direktor Kunstgewerbemuseum und Mitkurator: „Die Ausstellung zeigt die
enorme Vielfalt und das Potential von Handwerk in Europa. Die Herausforderungen diesen Reichtum
zu bewahren und in die Zukunft zu tragen, braucht Kreativität im Denken und Machen, sonst
verlieren wir einen wesentlichen Teil unserer kulturellen Identität.“

Jacob Strobel, Designer und Professor für Holzgestaltung, Angewandte Kunst Schneeberg: „Ich freue
mich außerordentlich, dass wir dieses wunderbare europäische Projekt nach Schneeberg holen
konnten und bin gespannt, wie es die Region und unsere Studierenden beflügeln wird.“

Josephine Hage, KREATIVES SACHSEN, Kuratorin Chemnitz2025 Programm Makers, Business & Arts:
„Die Ausstellung inspiriert uns, in der Kulturregion neue Brücken zwischen Handwerk und Design zu
bauen und so Traditionen in die Zukunft zu führen.“

Alexander Ochs, Kurator des PURPLE PATH / Europäische Kulturhauptstadt Chemnitz + Region 2025: „Zwischenzeitlich haben sich 33 Kommunen des Erzgebirges, Mittelsachsens und aus dem Kreis
Zwickau mit dem PURPLE PATH assoziiert. Gemeinsam mit ihnen planen wir die regionale
‚MakerCulture‘ und freuen uns mit dieser, Teil eines internationalen Ereignisses wie ‚Made in: Crafts
Design Narratives zu sein.“

Rahmenprogramm

Als erste, unmittelbare Wechselwirkung zwischen der Wanderausstellung und den Kreativen der
Region, stellen Studierende der Studienrichtung Holzgestaltung / Möbel- und Produktdesign eigene
Arbeiten in deren Kontext. Unter dem Titel „Timetraveller with a chisel“ präsentieren sie ihre
Prototypen beschnitzter, zeitgenössischer Möbel und Accessoires. Passend zum europäischen
Umfeld der MADE IN PLATFORM sind diese Entwürfe in Kooperation mit dem renommierten
Möbelhersteller ZANAT aus Konjic/Bosnien-Herzegowina entstanden. Als Auftakt für ein weiteres, die
Ausstellung begleitendes Projekt, werden binnen weniger Tage eine Rauminstallation sowie
experimentelle und improvisierte Objekte aus gebrauchten, gedrechselten Artefakten entstehen und
ausgestellt. Die Studierenden sind neben ihrer gestalterischen Arbeit in die Organisation der
Ausstellung eingebunden und werden diese über die Laufzeit betreuen.

Die Plattform und Wanderausstellung „MADE IN: Crafts — Design Narratives“ ist ein
Kooperationsprojekt des Museums für Kunst und Hadwerk (MOA) und des Studio OAZA in
Zagreb/Kroatien, dem Museum für Architektur und Design (MAO) in Ljubljana/Slovenien, dem
Werkraum Bregenzerwald in Österreich, den Kreativagenturen Nova Iskra und Mikser in
Belgrad/Serbien. Die Station in Schneeberg erfolgt auf Einladung des Kunstgewerbemuseums der
Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, der Angewandten Kunst Schneeberg, Fakultät der
Westsächsischen Hochschule Zwickau und der Stadt Schneeberg. Die Ausstellung ist Teil der
Regionalprogramme Makers, Business & Arts sowie PURPLE PATH der Europäischen Kulturhauptstadt
Chemnitz + Region 2025.
Begleitend zur Ausstellung ist die gleichnamige und reich bebilderte Publikation „MADE IN: Crafts —
Design Narratives“ in englischer Sprache erschienen und kann vor Ort gekauft werden. Softcover,
494 Seiten, ca. 560 Bilder, ISBN 978-953-7641-83-2.

Die gesamten Informationen zum Projekt finden sich unter: https://www.madein-platform.com/

Chemnitz ist Europäische Kulturhauptstadt 2025, der PURPLE PATH ihr kulturelles Programm in der
Region. Er folgt den Motti „Alles kommt vom Berg her“ und „Mit den Händen denken“. Über Rad-
und Wanderwege, Landstraßen, Busse und Bahnen verbindet er Chemnitz als Stadt der Moderne mit
annähernd 440.000 Menschen in mehr als dreißig Dörfern und Städten der Region, Schneeberg ist
eine davon.

Informationen zum Makers, Business & Arts Programm:
www.kreatives-sachsen.de/makers-business-arts/

Das Programm des PURPLE PATH finden sich unter: https://chemnitz2025.de/


Öffnungszeiten

Do- Fr 13 bis 19 Uhr, Sa- So 11 bis 19 Uhr, Mo- Mi geschlossen

Ticketpreise

Der Besuch der Ausstellung ist kostenlos.